Go with the flow

„Go with the flow“

Was meine ich damit? Ganz einfach: Lass dich treiben. Vom Leben.

Damit will ich aber nicht sagen, dass du mit dem Strom schwimmen sollst, nein.

Um vielleicht besser zu verstehen, was ich mit „go with the flow“ meine, hier ein kurzer Vorspann: Im Juli 2022 trat ich meine Reise, für 3 Monate ins Ausland zu gehen, an. Alleine. Einerseits, um hier meine Ausbildung zu Ende zu bringen und das kroatische Recht näher kennenzulernen, andererseits, um die Erfahrung zu machen, alleine zu sein. Zu schauen, wie es ist. Wie es im Ausland ist. Wie es ist, alleine Hürden zu bewältigen und zu meistern. Mal ganz ohne Partner. Jedenfalls musste ich schnell feststellen, dass die kroatische Mentalität, die Gelassenheit, Freundlichkeit und Spontanität, einen krassen Kontrast zu Deutschland bilden. Stress, Hetze oder Ungeduld? Fremdwörter. Beim ersten Gang durch den Supermarkt ist mir als erstes aufgefallen, dass ich – obwohl ich die kroatische Sprache beherrsche und mich optisch nicht von den Einheimischen unterscheide – heraussteche. Wieso? Ich war etwas in Eile, ein wenig zu schnell und, ja, bisschen gestresst. Mit anderen Worten: Man hat mir sofort angesehen, dass ich nicht aus Kroatien komme bzw. hier lebe. Obwohl vieles, was für den Aufenthalt geplant und organisiert war einwandfrei klappte, klappte vieles wiederum nicht. Mein Transport vom Flughafen erwies sich als komplizierter als nötig. Der Transport meines Fahrrads in mein Apartment ebenso. Ganz zu schweigen davon, dass ich erst nach 10 Tagen warmes Wasser in meinem Apartment, dafür aber Ameisen hatte. Nachdem mein warmes Wasser endlich da war wurde ich krank.

Die erste Lektion an meinem ersten Tag lautete daher für mich:

Go with the flow.

Pass dich an, ohne Angst davor zu haben, aus der Reihe zu tanzen.

Der Transport klappt in letzter Minute doch nicht wie geplant? Go with the flow und organisier einen neuen.

Du hast kein warmes Wasser? Go with the flow und sieh es als gute Möglichkeit, dir die Vorzüge des Kaltduschens anzugewöhnen und schätzen zu lernen.

Deine gewohnten Lebensmittel gibt es in keinem Supermarkt? Go with the flow und lerne neue Lebensmittel & Gewohnheiten kennen.

Du hast kein Auto mehr? Go with the flow und besorg dir ein gebrauchtes Fahrrad, womit du zugleich etwas für die Umwelt und deine Gesundheit tust.

Du wirst in einem unpassenden Moment krank? Go with the flow und nutze deine neugewonne Zeit sinnvoll. Reflektiere ggf. auch, wieso du krank geworden bist, um deine Lektion daraus zu ziehen. (Stress ist ein nicht zu unterschätzender Faktor, der dein Immunsystem extrem schwächt!)

Deine Kollegen gehen nach der Arbeit noch feiern, doch du willst lieber nach Hause und deine Ruhe haben? Go with the flow und höre auf deine innere Stimme – tue das, was dir gut tut. Nur dann wird es dir auch gut gehen.

Ich denke, nun ist klar, was mit „go with the flow“ gemeint ist, oder? Wenn dir das Leben Steine in den Weg legt, geh einen neuen Weg oder bau dir etwas Schönes draus. Geh einfach immer weiter. Lass dich nicht aus der Bahn werfen und kämpfe nicht gegen etwas an, was du nicht ändern kannst, sondern go with the flow. Lass dich von der Magie des Lebens treiben.

Flow bedeutet im Einklang mit sich selbst zu sein und Emotionen zu kontrollieren. Der Flow ist kein Zufall…

Wie schaffe ich es, gelassen zu reagieren?

  • Übernimm Verantwortung für die Dinge, die in deiner Macht liegen – alles andere lass auf dich zukommen und übernimm Verantwortung dafür, wie du auf eine Situation/Person reagierst
  • Lege Perfektionismus ab
  • Konzentriere dich auf die Lösung, nicht auf das Problem
  • Widerstand ist zweck- und sinnlos, wenn es einen Umweg gibt (spar deine Energie)
  • Schnell sein heißt nicht besser – mit mehr Ruhe und Zeit geht Vieles viel einfacher
  • Streiche das Wort „muss“ – du musst gar nichts, wenn du nicht willst
  • Probiere Atemtechniken und schaffe einen Ausgleich zum (hektischen) Alltag
  • Du kannst nicht den Umstand oder die Person ändern, dafür aber dich
  • Versuche dich in die Perspektive deines Gegenübers hineinzuversetzen, um mehr Verständnis für seine/ihre Entscheidung oder Sicht zu gewinnen
  • Wer zu viel oder zu lange über etwas nachdenkt schadet nur sich selbst
  • Lass Vergangenes hinter dir (ja, auch das, was vor 5 Sekunden passiert ist gehört der Vergangenheit an) – fokussiere dich auf die Gegenwart
  • Negative Gedanken mit Positiven Gute-Laune-Fragen/Antworten durchbrechen
  • Lass dich nicht auf das Niveau anderer herunterziehen – steh drüber und go with the flow

Mal ehrlich, wenn wir so eine intelligente Spezies wären, würden wir nicht so viel planen, wenn unsere Pläne später (meistens) sowieso nutzlos werden. Wir würden uns keine Probleme machen, die noch gar nicht existieren. Wir würden uns weniger um Umstände sorgen, die noch gar nicht eingetreten sind.

Hand aufs Herz: Wie oft waren Probleme, über die du dir den Kopf zerbrochen hast, am Ende tatsächlich problematisch? Wie oft wurden deine monatelang geschmiedeten Pläne letztlich nicht umgesetzt, weil sich last minute doch etwas geändert hat? Wie oft waren vermeintlich unüberwindbare Hindernisse wirklich unüberwindbar? Wie oft haben sich deine Sorgen realisiert?

Darum: Go with the flow.

Ich sage nicht, dass Planung und Organisation nicht wichtig sind. Das sind sie. Aber nicht in dem Ausmaß, in dem viele von uns vorgehen. Overthinking lautet das Stichwort. Zu viel des Guten ist nicht gleich gut. 90% unserer Probleme finden in unserem Kopf statt. Und für diese geht nicht nur eine Menge Zeit, sondern auch Energie drauf, die uns am Ende des Tages für Wichtigeres fehlt. Sobald du einmal in diesen Flow gekommen bist, ist es schwer aus ihm herauszukommen. Der Einstieg ist nicht leicht, doch dafür umso mehr das Darinbleiben.

Ich bin mir sicher, dass wir alle schon das ein oder andere Problem bzgl. Overthinking hatten und weiterer Vortrag darüber unnötig ist. Also, was kannst du gegen Overthinking tun?

Wie du Overthinking vermeiden kannst:

  • Überlege dir: was würdest du (d)einem Kind oder einer/ Freund/in in der jeweiligen Situation raten? Halte dich selbst an diesen Rat.
  • Mein Tipp für (fast) alles: Schreibe den Gedanken auf, halte ihn fest und lass ihn dann weiterziehen. Schaffe so Platz in deinem Kopf und stoppe das Gedankenkarussel.
  • Was kannst du sofort in die Tat umsetzen? Tu es.
  • Konzentriere dich auf das Hier und Jetzt – auf die Gegenwart. Horche bewusst in den Moment hinein und übe dich in Achtsamkeit. Sobald du merkst, dass deine Gedanken in die Vergangenheit oder Zukunft reisen, lenke sie wieder auf den Augenblick. Wenn du etwas tust, konzentriere dich nur darauf. Nicht auf das, was davor oder danach ist bzw. sein könnte.
  • Power dich aus oder lenke dich zumindest ab. Treib Sport, geh in die Natur, hab Spaß! Je mehr Spaß du hast, desto weniger denkst du nach.
  • Räume auf und miste aus! Die beste Übung, um sich auf die Gegenwart zu konzentrieren.
  • Spreche deine Gedanken laut aus. Das kann dabei helfen, Klarheit zu schaffen und schneller eine Lösung für das Problem zu finden.
  • Setze dir eine Deadline für Entscheidungen.
  • Lerne etwas Neues.
  • Frage dich, ob der Gedanke in 5 Tagen/Wochen/Monaten/Jahren wichtig sein wird. Wenn die Antwort darauf Nein lautet, kannst du den Gedanken guten Gewissens verwerfen.
  • Versuche, in allem etwas Positives zu sehen. Klingt langweilig und total Mainstream, hilft aber wirklich! Wenn es dir hilft, schreibe auch dies auf, um dich immer wieder daran zu erinnern und das Positive nicht aus dem Blick zu verlieren.

Jedoch ist mit „go with the flow” mehr als nur Overthinking gemeint. Es geht auch darum, sich ungemütliche Situationen so bequem wie möglich zu machen. Spontan zu sein. Offen für Neues zu sein. Ohne große Erwartungen schauen, wohin der Weg führt. Auf sein Bauchgefühl und seine Intuition zu hören. Weniger Denken, mehr fühlen.

Lass dich treiben, aber trau dich, deinen Weg zu gehen und schwimm auch mal gegen den Strom.

Viele denken bei „treiben lassen“ gleich daran, alles stehen und liegen zu lassen, um sich dann quasi auf die faule Haut zu legen und darauf zu warten, dass etwas passiert. Spoiler Alert: Es wird sich nichts von alleine tun. Nie. Sich treiben lassen bedeutet nicht, nichts zu tun. Du kannst nicht auf Veränderung hoffen, wenn du nicht bereit bist, etwas zu verändern. Also etwas aktiv zu tun. Es sei denn du wartest auf schönes Wetter, dann warte ruhig. Für alle anderen kann ich Folgendes mit auf den Weg geben: Folge deiner Intuition, deinem Bauchgefühl, deiner inneren Stimme – ja, deinem inneren Kompass, wenn du so willst. Wir alle haben diesen in uns, wir müssen nur wieder lernen, auf ihn zu hören und seine Zeichen zu deuten. Ein mulmiges Gefühl, schlaflose Nächte oder Bauchschmerzen deuten schon darauf hin, lieber die Finger von etwas zu lassen – also eine andere Richtung einzuschlagen.

Es kommt eine neue, ungewohnte oder vielleicht gar ungemütliche Situation auf dich zu? Go with the flow und versuche, das Beste raus zu holen. Nichts passiert ohne Grund. Wir können aus allem und von jedem lernen – wir müssen nur die Augen offenhalten und dürfen sie nicht gleich verschließen, nur weil es uns nicht in den Kram passt. Ja, manchmal passieren Dinge, die wir nicht wollen. Die uns traurig, wütend oder ratlos machen. Aber egal was passiert, in allem steckt etwas Gutes. Die Welt ist nicht nur schwarz-weiß, sondern besteht aus so vielen verschiedenen bunten Farben. Warum sich dann nur mit einer Farbe malen?

Folgendes möchte ich dir daher in aller Kürze mit auf den Weg geben:

  • Achte mehr auf DICH und DEINE Bedürfnisse. Sei deine eigene Nummer 1.
  • Nimm dich und deine Gefühle bewusst wahr und tu das, was sich im Moment richtig anfühlt. Das Leben ist zu kurz, um etwas zu bereuen, was man sich nicht getraut hat. Entweder gewinnst du oder du lernst dazu.
  • Setz dich nicht selbst unter Druck. Damit tust du dir keinen Gefallen und läufst eher Gefahr, dich zu lähmen und auszubremsen.
  • Schaffe Distanz zu negativen Menschen/Sachen/Situationen. Sollten sie deinen Weg dennoch kreuzen, übe dich in Gelassenheit und lass es vorbeiziehen. Nach jedem Sturm scheint wieder die Sonne.
  • Tue mehr davon, was Kinder tun. Malen, Fahrrad fahren, in Hüpfburgen hüpfen, Trampolin springen, Inliner fahren, Tischtennis spielen, Klettern, Singen, … Wir sind alle in Herzen Kinder und sollten dieses innere Kind ab und zu auch ausleben.
  • Traue dich, gegen den Strom zu schwimmen. Oft bringen dich unentdeckte Pfade zur schönsten Aussicht.
  • Hab keine Angst „anders“ zu sein. Anders sein ist gut. Individuell. Einzigartig. Willst du lieber eine/r von vielen oder ein eigenständiger, unverwechselbarer und vor allem glücklicher Mensch sein?
  • Dein Glück findest du nur, wenn du auf dein Inneres hörst und deinen Wünschen nachgehst – und nicht den anderer. Lebe für dich und genieße jeden Tag.
  • Übe dich in Dankbarkeit. Ein Dankbarkeitstagebuch (auch als App erhältlich) zeigt dir, wie schön dein Leben ist. Selbst an Tagen, an denen du das Gefühl hast, das alles schiefläuft, gibt es genug Gründe trotzdem dankbar für diesen Tag zu sein!
  • Erlaube dir, auch deine verrückten Seiten auszuleben und finde Gleichgesinnte. Spaß verdoppelt sich, wenn man es teilt.

Tschüss Schubladendenken und Hallo Leben!

Achtest du auf go with the flow? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar 🙂

Sandra

Rechtsreferendarin|Autorin|Ernährungsberaterin|Sportlerin|Weltenbummlerin|Leseratte|Essensliebhaberin|

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